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Der Wert politischer Arbeit

Politik wird oft romantisiert. Sie wird als etwas gesehen, das man aus reiner Überzeugung macht – in der Freizeit, abends nach der Lohnarbeit oder am Wochenende. Natürlich ist diese intrinsische Motivation der beste Startpunkt für Engagement doch wie lange kann sich ein Mensch neben Beruf, Familie und Alltagsverpflichtungen noch mit ganzer Kraft engagieren, wenn das eigene Engagement keinen finanziellen Rückhalt bietet?


Die Realität ist: Nur wer über Privilegien verfügt – sei es ein gut bezahlter Hauptjob, finanzielle Unterstützung durch die Familie oder einfach Zeit und Ressourcen – kann sich dauerhaft politisch einbringen. Menschen, die ohnehin schon Mehrfachbelastungen stemmen oder wenig verdienen, bleiben oft aussen vor. Das Ergebnis? Eine Politik, die von denjenigen geprägt wird, die es sich leisten können anstelle einer repräsentativen Vielfalt der Gesellschaft. 

In knapp zwei Wochen stimmen wir in Zürich über die bessere Entlöhnung von Gemeinderät*innen ab, sie sollen künftig besser bezahlt werden. Was auf den ersten Blick banal klingt, empfinde ich als überaus entscheidender Schritt in Richtung gerechterer Teilhabe in der Politik. Denn politische Arbeit ist Arbeit – und zwar Arbeit, die unsere Gesellschaft gestaltet, unsere Lebensrealitäten beeinflusst und demokratische Prozesse lebendig hält.

Um mehr Diversität in der Politik zu fördern ist faire Entlohnung also ein entscheidender Schritt. Es geht nicht nur um das Gehalt an sich, sondern um den Zugang zur Politik. Eine angemessene Bezahlung ermöglicht es Menschen mit geringerem Einkommen, alleinerziehenden Elternteilen oder Menschen ohne sicheren Hauptjob, sich in politische Prozesse einzubringen – und zwar ohne existenzielle Sorgen. Auch in der ehrenamtlichen politischen Arbeit zeigt sich das Ungleichgewicht. Besonders in linken Organisationen und Initiativen ist das Budget oft knapp. Vieles wird auf freiwilliger Basis organisiert: Demos, Kampagnen, Öffentlichkeitsarbeit. Diese Arbeit ist schön und wichtig, weil sie von einem tiefen Engagement und einer echten Überzeugung getragen wird. Sie ist ein Beweis dafür, dass Menschen bereit sind, für eine bessere Welt Zeit und Kraft zu investieren, auch ohne finanziellen Anreiz. Aber auch ehrenamtliche Strukturen profitieren davon, wenn finanzielle Ressourcen vorhanden sind. Eine Teilzeitstelle für Koordination oder Öffentlichkeitsarbeit kann verhindern, dass die Verantwortung auf immer denselben Schultern liegt. Sie kann Menschen, die bisher ausgeschlossen waren, neue Räume. Die kommende Abstimmung über die Bezahlung von Gemeinderätinnen ist deshalb ein wichtiger Meilenstein. Sie sendet ein Signal: Politische Arbeit ist wertvoll. Sie braucht Raum, Zeit und Ressourcen – und sie verdient Respekt. Das gilt nicht nur für die Arbeit in Gemeinderäten, sondern für jede Form von politischem Engagement.

Denn Politik ist kein Hobby für wenige Privilegierte. Sie ist ein Job – und ein verdammt wichtiger dazu.

 

Linda Junz, Parteikoordinatorin und Vorstandsmitglied der Jungen Grünen Zürich