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Biodiversitätsschädigende Subventionen

Während Stände- und Nationalrat die letzten drei Wochen ein Budget mit drastischen Sparmassnahmen behandelt hat, soll der Fokus mehr darauf gelenkt werden, wie und wo verursachendengerecht Mehreinnahmen generiert werden können. Besonders stossend finde ich dabei der bewusste Verzicht auf Steuereinnahmen und sogar direkte Förderbeiträge für biodiversitätsschädigende Tätigkeiten.


Die Eidg. Forschungsanstalt WSL hat 56 vollständig biodiversitätsschädigende Subventionen identifiziert, davon allein 22 im Strassenverkehr. Dieser macht einerseits mit 9 Milliarden Franken einen wichtigen Budgetposten aus und hat andererseits einen grossen negativen Einfluss auf die Biodiversität. Der immer fortschreitende Strassenbau versiegelt Flächen, betoniert Lebensräume zu und verkleinert den zusammenhängenden Lebensraum von Arten, da Strassen ein kaum überschreitbares Hindernis darstellen.

 

Obwohl der Langsamverkehr die biodiversitätsfreundlichste Verkehrsform ist, wird er verhältnismässig viel weniger gefördert: Nur knapp ein Zehntel (977 Mio. Fr.) werden von Bund, Kantonen und Gemeinden in Massnahmen zur Förderung des Langsamverkehrs investiert. 

 

Auf verschiedene Arten werden auch Elektrofahrzeuge stark subventioniert: Sie werden vom Bund von der Automobilsteuer befreit, im Kanton Zürich wird die Motorfahrzeugsteuer vollständig erlassen und ein umfangreiches Förderprogramm für Ladeinfrastruktur betrieben. Diese Massnahmen können verständlich erscheinen, wenn bloss der Nichtverbrauch von Benzin und Diesel beachtet wird. Jedoch können Elektroautos auf andere Art und Weise mindestens genauso biodiversitätsschädigend sein: Durch das oft höhere Gewicht verursachen sie einen höheren Reifenabrieb, welcher 95% unseres Mikroplastiks ausmacht. Auch die Herstellung der Fahrzeuge ist energieintensiver und wertvolle Rohstoffe werden unter umweltschädigendsten Bedingungen abgebaut. 

 

Neben den Strassen ist auch den Parkplätzen Beachtung zu schenken: Einerseits nehmen sie ca. 120 km2 in Anspruch, anderseits können sie auch ein wirksames Mittel zur Steuerung des Autoverkehrs darstellen. Dieses grosse Potential soll endlich genutzt werden. Kostenlose oder nicht kostendeckende Parkplätze machen das Autofahren attraktiver und fördern unnötige Kurzstreckenfahrten. Besonders die ersten 30 Minuten, die vielerorts sehr billig oder sogar kostenlos sind, setzen falsche Anreize. Deshalb müssen Parkgebühren so gestaltet werden, dass sie nicht nur die Kosten decken, sondern auch die Nutzung von Alternativen wie dem öffentlichen Verkehr unterstützen.

 

Auch die Landwirtschaft, die Energieproduktion und der -konsum werden stark subventioniert. Für mich ist es unverständlich, dass diese Subventionen weiter bestehen und so die öffentliche Hand den Artenverlust aktiv befeuert. 

 

Nadja Wirth

Vorstand Junge Grüne Zürich