Täuschendes Marketing - VPNs machen das surfen nicht privater

Heute machen traditionelle Medien nur noch einen kleinen Teil des Gesamtkonsums aus, während vermehrt online Medien verwendet werden. Auch Werbetreibende haben diesen Wandel beobachtet und haben neue Methoden gesucht, um ihr Zielpublikum zu erreichen. Anstelle von Werbespots und Plakaten profitieren sie heute von den Beziehungen, die Influencer*innen mit ihren Fans haben, indem sie Sponsoringsegmente in Videos einbauen, in denen die Creators ihren Zuschauenden erklären, warum sie dieses Produkt empfehlen.

 

Mittlerweile haben viele Firmen die lukrative Natur dieser Art von Marketing erkannt. Dabei gibt es eine Industrie, die schon seit Jahren ein Vorreiter ist auf diesem Gebiet: Virtual Private Networks, auch bekannt als VPNs.

 

VPNs leiten die Anfrage eines privaten Computers über einen ihrer Server an den Anbieter weiter. Dabei wird die eigene IP-Adresse durch die des Servers ersetzt. Das hat den Vorteil, dass man dem Anbieter gewisse Eigenschaften ‘vorgaukeln’ kann. Zum Beispiel kann man eine Anfrage an einen Anbieter von Kanada aus stellen, auch wenn man sich in der Schweiz befindet. Es gibt jedoch einen viel beworbenen Vorteil von VPNs, der eigentlich gar nicht zutrifft - VPNs machen das Internetsurfen privater und sicherer.

 

Menschen, die häufig in den sozialen Medien unterwegs sind, realisieren oft nicht, dass das eine Lüge ist. Denn: VPNs sind genau so privat wie ihre Datenschutzerklärung. Und die ist meist nicht besser, manchmal sogar schlechter, als wenn man einfach die eigene IP-Adresse verwendet. Vor allem bei kostenlosen VPNs ist die Privatsphäre zum Teil sogar schlechter. Wer bei Online-Diensten eingeloggt ist, wird durch die VPN sowieso nicht anonymisiert, da diese Firmen durch den Account sowieso sehen können, wer die Dienstleistung verwendet.

 

Auch fehlt die Transparenz - die zwei gängigsten VPNs gehören der gleichen Firma, ohne dass das viele wissen. Auch gibt es VPNs, bei denen die kostenlose Version an die Bedingung gebunden ist, dass Signale durch den eigenen Haushalt geleitet werden dürfen. Dies wird erst ersichtlich, wenn man die AGBs durchliest (Und wer macht das schon?).

 

Es gilt also: Lasst euch nicht von Influencer*innen auf den Arm nehmen - eure Daten sind mit VPN nicht unbedingt sicherer als ohne.

 

Giulia Bucheli

Vorstand Junge Grüne Luzern

giulia.bucheli@jungegrueneluzern.ch