Nachhilfelektion für die bürgerlichen Parteien

Am 14. Februar 2026 marschierten dutzende Neonazis– teils bewaffnet– durch die

Innenstadt von St.Gallen. Die Jungen Grünen Kanton St.Gallen sind nicht überrascht,

aber besorgt, dass bis heute keine bürgerliche Partei den Neonazi-Aufmarsch

verurteilt hat. In einem offenen Brief fordern sie die Parteipräsidien auf, endlich klare

Kante gegen den Faschismus zu zeigen. Als Nachhilfe in Sachen demokratische

Grundwerte laden die Jungen Grünen gemeinsam mit den GRÜNEN Stadt und Region

St.Gallen am 19. März 2026 zu einem öffentlichen Bildungsanlass ein.


Was am 14. Februar 2026 in der St.Galler Innenstadt geschah, darf nicht als isolierter Zwischenfall abgetan werden. Im Rahmen einer Demonstration unter dem Vorwand der Impfkritik marschierten die rechtsextremen Organisationen „Junge Tat” und „Mass-Voll“ durch das Stadtzentrum. Die Demonstrierenden führten Hellebarden als scharfe Waffen mit und stellten so eine erhebliche Gefahr für die Bevölkerung dar. Trotzdem verhinderte die Polizei den Demonstrationszug nicht und so konnten sich bekannte Rechtsextreme im Anschluss aktiv auf die Suche nach antifaschistischen Gegendemonstrierenden machen. 

 

Die Nordostschweiz gilt als einer der Hotspots der rechtsextremen Szene in der Schweiz. Rechtsextreme Gruppierungen sind in der Region seit Jahren aktiv und treten zunehmend öffentlich und selbstbewusst auf. Dabei nutzen sie soziale Medien und professionelle Kommunikationsstrategien, um gezielt junge Menschen anzusprechen und ihr Netzwerk auszubauen. Die Ereignisse vom 14. Februar zeigen, wie gefestigt diese Strukturen bereits sind– und wie dringend ein klares Bekenntnis zur Demokratie und Menschenrechten gefordert ist. 

 

Offener Brief: Schweigen ist brandgefährlich 

Mehr als zwei Wochen nach dem Neonazi-Aufmarsch haben die bürgerlichen Parteien des Kantons und der Stadt St.Gallen keine öffentliche Verurteilung vorgenommen. Dieses Schweigen erstaunt nicht- im Kampf gegen den Faschismus war auf Bürgerliche noch nie Verlass. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die bürgerlichen Parteien am Erstarken der Neuen Rechten und der Diskursverschiebung nichts auszusetzen haben, solange es ihren Interessen dient und ihr Politklientel davon profitiert. 

 

Dennoch ist es die Pflicht aller demokratischen Parteien dieses Kantons, jeden Aufmarsch von Neonazis ausdrücklich zu verurteilen und sich klar davon abzugrenzen. Das Schweigen der bürgerlichen Parteien ist kein einfacher Fehltritt– es ist eine Einladung gegenüber dem Rechtsextremismus. Wer angesichts bewaffneter Neonazis, die durch eine Schweizer Innenstadt marschieren, schweigt, trägt dazu bei, dass sich rechtsextreme Ideologien normalisieren. 

 

Deswegen wenden sich die Jungen Grünen und die GRÜNEN Stadt und Region St.Gallen mit einem offenen Brief an die Präsidien der SVP, FDP, Mitte und GLP Kanton und Stadt St.Gallen und fordern sie auf, jegliches rechtsextreme Gedankengut und Auftreten konsequent zu verurteilen und zu bekämpfen. Der erste Schritt dazu ist, schnellstmöglich eine klare und öffentliche Verurteilung des Neonazi-Aufmarsches vom 14. Februar vorzunehmen. 

 

Junge Grüne laden zum Bildungsanlass mit Rechtsextremismus-Experte am 19. März ein 

Die erste Nachhilfelektion für die bürgerlichen Parteien haben die Jungen Grünen und die GRÜNEN Stadt und Region St.Gallen bereits organisiert: den öffentlichen Bildungsanlass „Neuer Rechtsextremismus: Analyse, Debatten, Gegenstrategien“. Dieser findet am Donnerstag, 19. März 2026, ab 19 Uhr im Waaghaussaal St. Gallen statt. 

 

Dabei wird der Historiker und Rechtsextremismus-Experte Cenk Akdoganbulut in einem Referat den Aufstieg der Neuen Rechten beleuchten. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Publikumsgespräch– über die Strukturen der Neuen Rechten, über die Rolle der Ostschweiz als möglichem Hotspot sowie über konkrete Gegenstrategien. 

 

Der Anlass richtet sich an die gesamte Öffentlichkeit: Bürger*innen, Medienschaffende, Lehrpersonen, Vertreter*innen der Zivilgesellschaft– und ausdrücklich auch an Politiker*innen aller demokratischen Parteien. Wer den Aufmarsch vom 14. Februar besser einordnen will, wer wissen möchte, wie rechtsextremes Gedankengut schleichend in die Mitte der Gesellschaft eindringt und wie breit die Netzwerke der Neuen Rechten heute bereits gespannt sind, ist herzlich eingeladen. 

 

Demokratie braucht klare Haltung 

Rechtsextremismus ist keine Randerscheinung. Er ist eine ernsthafte und wachsende Bedrohung für unsere Demokratie, den Schutz von Minderheiten und unser gesellschaftliches Zusammenleben. Die Ereignisse vom 14. Februar in St. Gallen haben dies einmal mehr deutlich gemacht: Wenn Neonazis bewaffnet durch eine Innenstadt marschieren, ihren Aufmarsch als Erfolg feiern und anschliessend gezielt Gegendemonstrierende jagen, dann ist Schweigen keine Option. Dann braucht es klare politische Haltung – und zwar von allen! 

 

Die Jungen Grünen Kanton St. Gallen und die GRÜNEN Stadt und Region St.Gallen sind überzeugt: Demokratie muss aktiv verteidigt werden– in den Parlamenten, in der Öffentlichkeit und auf der Strasse. Dazu gehört, dass politische Akteur:innen Verantwortung übernehmen und klar aussprechen, was am 14. Februar geschehen ist: ein inakzeptabler Angriff auf unsere demokratische Gesellschaft.

 

Veranstaltungshinweis 

Neuer Rechtsextremismus: Analyse, Debatten, Gegenstrategien 

Donnerstag, 19. März 2026, 19:00 Uhr | Waaghaussaal, St. Gallen 

Referent: Cenk Akdoganbulut, Historiker und Rechtsextremismus-Experte 

Eintritt frei, Kollekte | Anmeldung nicht erforderlich